Italo Calvino «Der Baron auf den Bäumen»

Datum: März 14th, 2010 | Themen: Gelesen | Keine Kommentare »

Gelesen habe ich diesen wunderbaren Roman bereits im Frühling 2008. Seither habe ich immer und immer wieder Exemplare davon verschenkt. Weil die Geschichte so unvergleichlich leicht, tief, schön, romantisch, fantastisch, oppulent, humorvoll, sinnlich und stark ist. Über einen, der auf die Bäume stieg und ein ganzes Leben nie mehr runter kam.

Oben in den Baumkronen der ligurischen Küste spielt der Roman «Der Baron auf den Bäumen» des Italieners Italo Calvino (1923-1985). Irgendwann zu Napoleons Zeit beschliesst in einer italienischen Grafschaft der 12-jährige Spross einer Edelsfamilie fortan in den Baumkronen zu leben und nie mehr einen Fuss auf die Erde zu setzen. Er hält den Schwur und nicht einmal zum Sterben steigt er – gut 50 Jahre älter – hinunter.

Es ist die  Geschichte über einen «Abgehobenen», über einen Verweigerer. Trotz oder grad wegen seiner Verrückt- und Entrücktheit wird er zum Volks- und Frauenheld, zum Robin Hood der Baumkronen, zum Literat und zum Beobachter des kleinbürgerlichen Lebens mit Bodenhaftung.

Was fasziniert ist dieser radikale Entschluss für den eigenen Weg. Hier die räumliche und «weltanschauliche» Distanz und dort immer wieder das Engagement des Barons für seine Mitmenschen «unter» ihm. Der Text oszilliert vom Abenteuer-Roman zum Märchen und zur romantischen Komödie. Ich bin kein Bücher-mehrfach-Leser. Aber diese Geschichte vereint eine solch grosse Interpretationsvielfalt mit sprachlicher Schönheit und Unterhaltungswert, dass ich hier dann vielleicht mal eine Ausnahme mache. Und garantiert noch viele Exemplare davon kaufe.

Links:
– kluger  Aufsatz «Calvinos politischer Roman vom Baron auf den Bäumen»
– Der Baron auf den Bäumen bei Amazon und als Hörbuch
– mehr über Italo Calvino (Wikipedia)



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