Mein New York: Coney Island & Brighton Beach
Datum: Juni 4th, 2007 | Themen: Weltweit | Kommentare »Mit diesem Ausflug – er lässt sich stressfrei in einem guten Halbtag machen – trefft ihr mehrere Fliegen mit einem Schlag: Ihr entflieht für ein paar Stunden dem Treiben und den Häuserschluchten von Manhattan, durchquert auf einer wunderbaren (vielfach oberirdischen) U-Bahnfahrt das einzigartige Brooklyn, geniesst ein Stündchen romantisches Strandleben und lernt dann kurz vor der Rückfahrt Russland (richtig gehört) von einer neuen Seite kennen.
Der Reihe nach: Ihr steigt in Manhattan in die Subway-Linien D, F, N oder Q (alle diese Links führen übrigens zu den sagenhaften Wikipedia-Seiten über die entsprechenden Linien) und geniesst die rund 45 bis höchstens 60-minütige Fahrt bis Coney-Island Stillwell Avenue, der berühmten Haupthaltestelle von Coney Island. Von hier aus quert ihr zwei Strassen und steht auf dem berühmten Boardwalk, einem leicht erhöhten cirka 15 Meter breiten Holzquai, und geniesst den grosszügigen Blick auf das weite Meer. Hier flanieren die New Yorker schon – ich übertreibe nicht – seit bald 200 Jahren. Ihr haltet jetzt links, Richtung Osten, nehmt euch Zeit und hier am Imbiss ein paar fritierte Shrimps und trinkt etwas.

(1997 am Strand von Coney Island, rechts im Hintergrund noch zu sehen die berühmte 8er-Bahn, ich las sie wurde im Jahr 2000 abgerissen)
Nach rund eineinhalb Kilometer gemütlichen Spaziergangs habt ihr vielleicht genug Meerluft inhaliert. Taucht jetzt vor der Rückreise nochmals in die ganze Verrücktheit dieses globalen Schüttelbechers ein: Das Quartier heisst Brighton Beach, nach dem berühmten englischen Seebad. Hier wohnt ein ganz gut durchmischtes Volk, angereist hauptsächlich in zwei grossen Flüchtlings-Strömen in den 30ern und 40ern aus dem 2. Weltkrieg und in den 70ern aus Russland. Die Gegend ist daher sehr russisch geprägt und beim Spaziergang zur Station Brighton Beach (mit der Subway B fährt ihr gemütlich und non-stop wieder nach Hause auf die Manhattan-Insel zu den 212-ern) lest Ihr viele kyrilische Anschriften und hört einiges Russisch. Im Juni haben sie halt keine Breschnev-Kappen mehr an, darum müsst ihr zweimal hinschauen und -hören.
Ich empfehle diesen Trip allen New York-Reisenden. Einige sind zu faul dafür, keine Ahnung wieso – streng ist es nicht. Andere haben Angst, das macht mich ebenso ratlos: Vorher flog man schliesslich auf 10′000 Metern Höhe um die Welt und steht dann unter 300 Meter-Häusern. Zugegeben: Wir beobachteten damals diesen Typen an der Subwaystation, der sich schreiend das Unterhemd in Streifen riss und versuchte, eine lebende Taube damit zu fesseln. Aber im ÖV-Stress gerät man vielleicht mal ausser sich. Trotzdem – lasst Euch auch nicht von Manhattern verunsichern. Denen ist eh alles ungeheuer, was nicht auf ihrer Insel stattfindet. Gönnt Euch die meeresruhigen Schritte zwischen Stillwell Avenue und Brighton Beach. Es ist diese einzigartige Mischung aus Ruhe (am Strand), Natur (das Meer) und Niedergang (die ächzenden und angeschlagenen Rummelpark-Anlagen und die bunt bemalten Snack Bars) die hier so bezaubert.
Coney Island gehört in das Inventar der Orte, die ich in meinem Leben immer wieder besuchen will. Die Orte, die man für sich zur Heimat macht.
PS: Es ist natürlich abgedroschen, in einem Blog die Möglichkeiten von Wikipedia zu rühmen – was aber über die New York Subway und ALL ihre Stationen und Linien da drin steht ist der helle Wahnsinn.